Mittwoch, 17. Oktober 2018

fahrzeuge01

Verkehrsunfall - Die letzte Sekunde...

Jedem Feuerwehrangehörigen ist bewusst, dass es zu jeder Tages- und Nachtzeit zu einem Einsatz kommen kann. Nicht selten werden die Feuerwehrkameraden und -kameradinnen mit dem Schrecken und Leiden verschiedener Einsatzsituationen konfrontiert. Besonders bei Verkehrsunfällen werden die psychischen Belastungsgrenzen aller Einsatzkräfte oftmals bis auf das Äußerste strapaziert. In vielen Fällen sind solche Unfälle vermeidbar und deshalb möchten wir an dieser Stelle über die gesamte Dramatik im Falle eines solchen Unglücks aus der Sicht des Fahrers des Unfallwagens berichten.

Unser "Hauptdarsteller" heißt Klaus. Es ist Samstagabend, gegen 18.00 Uhr und Klaus macht sich auf den Weg ins Kino, dort ist er mit seiner Freundin verabredet. Klaus ist nichtsahnend unterwegs...


Sekunde 0

Klaus fährt mit seinem 1.200 kg schweren Auto mit ungefähr 90 km/h die Straße entlang. Bei diesem Tempo stecken ca. 382.000 J "Translationsenergie" im Fahrzeug, d.h. es hätte eine nach vorne, in Fahrtrichtung strebende Wucht von etwa 38.200 kg. Dazu kommt noch eine "Translationsenergie" (umgerechnet in die Masse) von 2.230 kg von Klaus hinzu, da Klaus mit seinen 70 kg ebenfalls mit 90 km/h unterwegs ist. Klaus erhält eine Nachricht von seiner Freundin und gerade als er auf sein Handy schaut, fährt er gegen einen Baum.

 

Sekunde 0,1

Das Zehntel einer Sekunde ist vorbei. Die Motorhaube wölbt sich, Stoßstange und Kühlergrill sind stark eingedrückt. Das Fahrzeug fährt ca. 5 km/h langsamer. Klaus merkt, wie er nach vorne gedrückt wird. Zu seinem Gewicht von 70 kg im Sitz, kommt noch ein Gewicht von 170 kg, das ihn nach vorne drängt. Klaus streckt seine Beine durch, um dieser Kraft entgegenzuwirken. Er fühlt sich stärker als jemals zuvor, seine Beine stemmen rund 150 kg und mit seinen Armen drückt er auch rund 20 bis 30 kg. Dann kommt der zweite Stoß...

 

Sekunde 0,2

Auch die robusteren Teile des Wagens, Radaufhängung und Kühler sind jetzt am Baum angekommen. Klaus merkt, wie seine Stärke nachlässt. Auf seine Beine fühlt er einen mächtigen Schlag, denn der Teil des Fahrzeuges, gegen welchen er sich noch stemmt wurde gerade auf ungefähr 60 km/h abgebremst. Seine Beine drücken gerade etwa 350 kg bis 420 kg, d.h. um sitzen zu bleiben, müssten seine Arme ca. 220 kg stemmen, aber das ist für Klaus unmöglich. Er spürt, wie seine Knie laut knirschend aus dem Gelenk springen. Jetzt wird er von ungefähr 150 kg nach oben in Richtung Sonnenblende gedrückt. Insgesamt verteilt er zur Zeit etwa 420 kg auf seine Gliedmaßen.

 

Sekunde 0,3

Klaus fühlt sich jetzt unbeschwerter. Während seine gebrochenen Knie am Armaturenbrett kleben und seine Hände noch immer das Lenkrad umschließen, ist er mit Fliegen beschäftigt, immer noch unterwegs zu weiteren Hindernissen.

 

Sekunde 0,4

Klaus ist momentan nur noch ungefähr 100 kg schwer. Sein Becken zerschellt am Lenkrad, die Lenksäule biegt sich leicht nach oben. Plötzlich gibt es einen weiteren Stoß, auch der Motor hat nun den Baum erreicht.

 

Sekunde 0,5

Der erste Teil des Wagens mit Klaus, dem Motor und dem Amaturenbrett stehen still. Der Kofferraum ist weiterhin mit 50 km/h unterwegs, die Hinterräder und die Seitenwände türmen sich auf, immer höher und höher...., doch der Wagen ist jetzt nicht mehr wichtig. Was ist mit Klaus in dieser zehntel Sekunde passiert? Wie er mit einem Gewicht von rund 970 kg auf die Lenksäule geschleudert wird und von dieser wie mit einer stumpfen Lanze durchbohrt wird, das bekommt Klaus nicht mehr mit. Seine letzte Erinnerung wird wahrscheinlich der Anblick der Karosserie gewesen sein, kurz bevor sein Gesicht mit voller Wucht daran prallt.

 

Die letzten zehntel Sekunden bis zur Sekunde 1 wird der übrige Teil des Fahrzeugs immer weiter abgebremst, bis er schließlich stehen bleibt. Aber das ist für Klaus nun egal. Auch die zahlreichen Nachrichten seiner Freundin kann er jetzt nicht mehr lesen...



Sagen Sie einmal "zwanzig" und gleich danach "einundzwanzig"! Eine Sekunde für Sie, die Ewigkeit für Klaus... Und jetzt stellen Sie sich vor, wenn der Name der Person nicht Klaus gewesen wäre, sondern...

 

Kontakt

Feuerwehr Rieschweiler

Wiesenstraße 9
66509 Rieschweiler-Mühlbach

06336/5455 (Gerätehaus, nicht dauerhaft besetzt)
06336/6536 (Wehrführer - Herr Harald Borne)